Galerie Rita Stern | Die Schönheit in der Kunst
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Die Schönheit in der Kunst

Beeinflusst von zahlreichen kunstbezogenen Gesprächen mit meinen Künstlern, von den treffenden Worten Ephraim Kishons über die moderne Kunst und den pointierten Formulierungen Prof. Gotthard Fellerers über die Wiederauferlebung der Salonmalerei im 21. Jahrhundert sehe ich mich veranlasst, meine Gedanken zur Relevanz von Schönheit in der Kunst festzuhalten.

 

DER HAARKAMM VON RENE LALIQUE

HAARKAMM VON RENE LALIQUE I  RAINER STERN

 

Wer denkt, dass die Künste unsere geistigen Denkmuster nicht beeinflussen, irrt sich gewaltig. Die Künste und Kultur im Allgemeinen sind Reflexionen unseres Zeitgeists und des Weltgeschehens – doch viel mehr tragen sie den Geist in die Zukunft und verstärken damit vorhandene Denkmuster. Sie extrapolieren den Ist-Zustand einer Gesellschaft in eine etablierte, als Normalität empfundene Zukunft. So hat, kurz gesagt, das Hässliche und Verkommene der modernen Kunst seit Jahrzehnten, die üppige Inhaltsleere und Bedeutungslosigkeit, welche als Ideal der Kunst hochgelobt wird und die vermeintliche Oberflächlichkeit der Schönheit aus ihren Werken bewusst verbannt, auch die Hässlichkeit in unserer Gesellschaft genährt und bestärkt.

Wenn die Feinsinnigkeit abhanden kommt und der Mensch ein narzisstisches, arrogantes Ich-Bild stärkt, so verwundert es nicht, dass ein großes Spannungsfeld, eine Kluft zwischen den Interessen eines jeden Einzelnen, der verschiedenen Gesellschaftsschichten, der Wirtschaft, Politik sowie der Natur im Allgemeinen und unserer endlichen Ressourcen im Besonderen entstanden ist. Eine kurzfristig ausgelegte und kapitalistisch geprägte Denk- und Sichtweise hat dazu geführt, dass zwar der industrielle und technologische Fortschritt in rasender Geschwindigkeit vorangeschritten ist, doch der Mensch seine Fähigkeit zur Empathie und dem Einklang mit seinem Umfeld, sprich der unmittelbaren Natur, verloren hat.

 

Ephraim Kishon zitiert in seinem provokativen Buch „Picassos süße Rache“ die sehr treffende Aufforderung von Friedensreich Hundertwasser, der anläßlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises betonte, die Kunst müsse Werte aufbauen, statt sie zu zerstören. „Die moderne Kunst ist ein Horror-Panoptikum geworden“, sagt der weltbekannte Künstler aus Wien in seiner Festansprache. „Kunst muss schön und wahr und gut sein, sie muss zur Einfachheit zurückfinden in dieser verkomplizierten Welt. Wenn aber ein Künstler dies, das Selbstverständliche, tut, wird er missverstanden und verleumdet. Die absurdesten Tätigkeiten werden dagegen perfektioniert und angebetet. Die Kunstmacher sind schon lange nicht mehr die Künstler selber, sondern eine kleine internationale Mafia von frustrierten Intellektuellen. Diesen Kunstmachern fressen die Maler aus der Hand, in der Hoffnung, eine Ausstellung hier, einen Zeitungsartikel da, einen Bilderverkauf dort zu ergattern. Jene, die dadurch berühmt wurden, sind dann die falschen Hofnarren und falschen Clowns des modernen Establishments. So wird die Kunst hässlich, leer, ist ohne Schönheit, ohne Gott, dumm, kalt und herzlos. Unser Feind ist die menschliche Dummheit, und nichts anderes.“ [i]

 

 

GERD BANNUSCHER

THE DROP I GERD BANNUSCHER

Mut zur Schönheit, muss man heute sagen! Mut dazu, sich gegen die Übermacht an geistiger Verhüllung durchzusetzen. Mut dazu, Bilder und Objekte für sich sprechen zu lassen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

 

Umgeben von Globalisierung, Effektivität, Produktivität und einer Reduktion auf eine minimalistische Arbeits- und Lebensweise, machen sich Künstler wie Gerd Bannuscher, Rainer Stern, Joachim Lehrer u.v.w., deren Künstlerseelen nach Tiefgang und Schönheit im Kunstwerk streben, frei von gegenwärtigen Strömungen und Konventionen. Zeit ihres Daseins streben sie das gebildete Können, sprich den gekonnten Umgang mit Material und Farbe sowie Proportion und Darstellung im herkömmlichen Sinne, an.

 

„Die Fähigkeit, das Schöne in der Kunst zu empfinden, ist ein Begriff, der zugleich die Person und die Sache, das Enthaltende und das Enthaltene in sich fasst. […] Das Schöne ist von weiterem Umfang als die Schönheit. Dies geht eigentlich die Bildung an, und sie ist die Höchste Absicht der Kunst. Das Schöne aber erstreckt sich auf alles, was gedacht, entworfen und ausgearbeitet wird.“[i] Diese Worte von Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) stellt Prof. Fellerer an den Anfang seiner Reflexion über das Werk des „Wiener Salonmalers“ Rainer Stern, da auch er, gleich Winkelmann, unter „Kunst“ das „Denkschöne“ versteht.

 

Der Geist des Künstlers begegnet uns in seinen Werken. Ein jeder von uns kann sehen (geistig sehen). Wer sich auf seine innere Stimme verlässt sieht und fühlt, was wahren Wert hat. Hören wir auf das, was uns gut tut und nicht auf jene Stimmen, die uns diktieren etwas wider unserem Sein wahrnehmen zu müssen.

 

Rita Stern, Juli 2016

 

 

[i] Johann Winckelmann, G. Ephraim Lessing, Klassische Schönheit, ausgewählt und eingeleitet von Alexander von Gleichen-Russwurm, Diedrichs, Jena und Leipzig, 1906, S. 52.

[i] Auf seine unverwechselbare Weise entlarvt der weltbekannte Satiriker die lächerlichen Auswüchse der Moderne an Hand köstlicher Beispiele. Eine Fülle von Farbabbildungen kommentiert des Autors Meinung aufs treffendste. ISBN 3-7844-2453-8