Galerie Rita Stern | Im Gespräch mit Rainer Stern
Galerie Miltenberg, Rita Stern, zeitgenössische Kunst, Kunstevents, Kunstberatung
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Im Gespräch mit Rainer Stern

Du arbeitest momentan unter anderem an einer Serie über die Kultur und Architektur Wiens. Welche Gedanken, welchen tieferen Sinn verfolgst du beispielsweise in dem Kunstwerk „Die Auferweckung“?

 

Stern: Diese sich am Michaelerplatz in Wien abspielende Szene soll an das verloren gegangene Kulturgut der Malwerkstätten vergangener Jahrhunderte und an die hervorragende Malkunst der Präraffaeliten erinnern. Links im Bild wird die „Moderne Kunst“ zu Grabe getragen. Dort sieht man auch Jacek Malczewski. In der Mitte des Bildes die Präraffaeliten Dante Gabriel Rossetti, John Everett Millais, Frederic Leighton, der Maler Alma Tadema und Holmen Hunt. Rechts sieht man Ernst Fuchs und mich. Das Riesenplakat am Michaelertor im Hintergrund weist auf eine imaginäre Ausstellung Rossettis hin – „Die Auferweckung 2012 PRB“. Rechts am Rand des Bildes ein sehr wahres Zitat von William Morris aus dem Gedichtband For the Briar Rose: „Who shall say if I were dead what should be remembered?“

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Das heißt, wir sollten nach deinem Tod besser aufpassen, was wir über dich schreiben! (lacht) Du orientierst dich an der Malkunst der Präraffaeliten und siehst für die „Moderne Kunst“ keine Zukunft?

 

Stern: Ich will niemandem in der Moderne unterstellen, dass er/sie es nicht ernst meint beziehungsweise ohne Tiefgang oder ohne Können planlos herumgeschmiert wird. Was aber eindeutig ein großes Manko im jetzigen Stadium der zeitgenössischen Kunst ist, ist das Fehlen von talentiertem und gebildetem Können. Sprich, dem gekonnten Umgang mit dem Material, Farbe und Pinsel im herkömmlichen Sinne, der Proportion und Darstellung, der moralischen Verpflichtung des Malers und dem Fehlen atemlosen Staunens, das großen Meisterwerken zur Hand geht. Die Präraffaeliten waren eine Bruderschaft außergewöhnlicher Talente mit der begnadeten Gabe, dies auch in ihren Werken offensichtlich werden zu lassen. Und ja, ich bin sehr von ihnen beeindruckt und beeinflusst.

 

In der heutigen Zeit wird Kunst oft als reine Wertanlage gesehen und gehandelt. Da liegt der Gedanke nahe, Künstler könnten die Vorstellungen der Kunstindustrie eines „gut verkäuflichen Bildes“ zu ihren Gunsten nutzen, indem sie einfach deren Wunsch bedienen. Wie steht es deiner Meinung nach um die Käuflichkeit von Moral und Authentizität heutiger Künstler?

 

Stern: Kunst der Gegenwart und die Kunstwerke vergangener Jahrhunderte haben immer dann einen besonderen Marktwert,
wenn es mit Hilfe einflussreicher Freunde oder Galerien gelungen ist, einen größeren Bekanntheitsgrad des Künstlers zu erreichen. Früher im Sinne der Qualität, heute leider eher im Sinne von Marketingstrategie, Sensationsgier und maximaler Ausbeutung der Kunden. Nicht immer stehen da das eigentliche Kulturgut und die Qualität
im Vordergrund. Pablo Picasso hat das in seinem künstlerischen Testament sehr klar und deutlich ausgedrückt: „…Ich bin heute nicht nur berühmt, sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich nicht als Künstler betrachten im großen Sinn des Wortes. Große Maler waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein Clown, der seine Zeit verstanden und alles herausgeholt hat aus der Dummheit, der Lüsternheit und Eitelkeit
seiner Zeitgenossen.“ Ich meine, es wäre an der Zeit, wieder hervorragende Qualität und Können als Fundament in die heutige Kunst einfließen zu lassen.

 

Es gibt weltweit bereits viele private Sammler, die dich und deine Werke eben aus diesen Gründen schätzen. Dennoch, würdest du nicht für ein lukratives Angebot – du hättest finanziell ausgesorgt und wäret berühmt – deine Ideale über Bord werfen?

 

Stern: Nein. Niemals. (lacht)

 

Vielen Dank für das Gespräch.