Galerie Rita Stern | Laudatio „Was in uns lebt“
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Laudatio „Was in uns lebt“

München, 07. Februar 2017
Laudatio Rita Stern zur Eröffnung der Ausstellung „Gerd Bannuscher – Was in uns lebt“ im Foyer der LV1871 München

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

schön, dass Sie unserer Einladung zur Eröffnung der großen Einzelausstellung des renommierten Künstlers – Gerd Bannuscher – gefolgt sind. Ich habe die Ehre und Freude, Ihnen den Mann hinter den faszinierenden, überlebensgroßen Portraits vorstellen zu dürfen.

 

Als Galeristin und aus einer Künstlerfamilie stammend, befasse ich mich sehr tiefgründig mit dem Gesamtwerk eines Künstlers – ich möchte den Künstler begreifen, verstehen was ihn vorantreibt, welche Gedanken ihn beschäftigen; ich möchte seine Seele wahrnehmen und erleben was durch die Bilder zu uns spricht. Was Sie hier sehen, bedarf im Grunde keiner Interpretation – und doch spielt es eine Rolle zu erfahren, wer der Mensch hinter der Kunst ist.

 

Gerd Bannuschers ist ein Phantastischer Realist, der seine Vision einer „besseren Welt“ mit uns teilt. Seine Bilder sind die Wiedergabe kosmischer Realitäten, Wahrheiten der uns umgebenden Natur; dem Dasein. Doch warum diese Mühe, Realitäten zu malen. Man könnte doch auch auf eine Fotografie als Abbild zurückgreifen. Nun – im Gemälde offenbart sich wesentlich mehr – eine Tiefe und Wahrhaftigkeit, die erst in diesem Augenblick entsteht, sodann der Künstler sich dem Sujet annimmt und es mit all seinem technischen Wissen, seinen Fähigkeiten und seiner geistigen Schönheit aufnimmt. Es mit seinen Händen auf die Leinwand oder das Holz aufbringt und in der Ruhe seines Ateliers Schicht für Schicht das Bild entstehen lässt. In diesem Prozess entsteht eine Erhöhung der Realität, eine Ästhetik die der geistigen Schönheit unterlegen ist. Wie es die Galeristin Irmgard Heyd treffend formulierte – seine Bilder sind eine Übersetzung der Wirklichkeit ins Poetische.

 

Wenn mir Galeriebesucher beim Betrachten seiner Werke erzählen, welche Gefühle sie empfinden, welche Gedanken ihnen dabei kommen, so ist es doch erstaunlich, das, nebst dem die Werke mit Staunen und Ehrfurcht ob seines Könnens betrachtet werden, sie auf sehr unterschiedliche Weise interpretiert werden.

Dem zugrunde liegt ein ganz einfacher, wie schwerwiegender Grund – wir alle haben einen unterschiedlichen Background – Kultur, Herkunft, Werteverständnis, Religion, Bildungsstand und vieles mehr bestimmen unsere Meinung zu den Dingen und so bleibt auch bei der Abbildung einer Realität die letztendliche Auffassung dem Empfänger überlassen.

 

Blicken wir auf das aktuelle Weltgeschehen – So finden wir trotz hohem Wissensstand und einer fortschrittlichen Lebensweise ein großes Vakuum vor, das sich mit Oberflächlichkeit, Angst, Hass, Neid und Habgier zu füllen scheint. Einzelne Mächtige mehren unaufhaltsam ihren Reichtum nach dem Gesetz des Geldes und die Ausbeutung unserer Natur und der Umgang mit unseren Lebewesen entbehrt jeglichem Verständnis für Ethik und Moral.

Auf der anderen Seite setzen sich unzählige Menschen mitfühlend für andere ein, reisen in Krisengebiete um humanitäre Hilfe zu leisten, erfinden Hilfsmittel um den Müllbergen in unseren Weltmeeren entgegen zu wirken, unterzeichnen unzählige Petitionen, um Ihre Stimme einem guten Zweck zu geben. Wir leben in einer Welt, die zerrissen ist, unsicher und segellos erscheint.

 

Doch wenn wir ruhig sind und das Schauspiel um uns herum, den Lärm in unseren Köpfen, ausblenden, so öffnet sich etwas Reales. „Jedes Existierende ist ein Analogon alles Existierenden – daher erscheint uns das Dasein zur gleichen Zeit gesondert und verknüpft.“ sehr treffend formulierte dies Johann Wolfgang von Goethe bereits im 18. Jhdt.

 

Das Dasein ist ein ewiger Kreislauf aus Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. Wir sind alle Teil dieses großen Ganzen. Jeder atomare Baustein, der uns physisch zu dem macht, was wir sind, existiert bereits seit Anbeginn der Zeit. Auch vor Entstehung der Erde, waren alle Bausteine unseres Planeten im Universum existent. Als Sterne, Gaswolken, Planeten, Monde…. wir alle haben den selben Ursprung, wir alle bestehen – wenn wir es mit den Worten anerkannter Astrophysiker sagen – aus Sternenstaub.

 

Was in uns lebt I 240 x 90 cm I Acryl auf Holz

 

Gerd Bannuscher möchte uns auf diesen Umstand hinweisen – wir blicken alle in die gleiche Richtung. „Was in uns lebt“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen und wirft vielleicht die Frage auf „Was lebt noch in uns?“

Ob Tier oder Mensch, ob ein kleiner Grashalm auf der Weide oder eine Welle auf den großen Weltmeeren. Alles ist gleichermaßen wichtig – alles unterliegt den gleichen Gesetzen der Natur – jedes Teil für sich und doch immerwährend verknüpft.

 

„Wir sollten uns mehr als Teil der Natur sehen und mit ihr leben.“ fordert uns Gerd Bannuscher auf. Eine klare Botschaft die unmissverständlich in all seinen Werken mitschwingt. So war es kein Zufall, dass er vor Jahren Dr. Jane Goodall traf und sich seither regelmäßig mit ihr austauscht und sie durch Bilderspenden für Versteigerungen zugunsten der Projekte des Jane Goodall Instituts unterstützt. Auch plant er eine Reise mit Jane in den Kongo, um die Menschenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum kennen zu lernen und zu studieren. Er möchte der Verbundenheit zwischen Mensch und Tier weiter auf die Spur kommen. Was steckt evolutionär noch in uns?

Jedes Tier, dass hier in dieser großartigen Ausstellung zu sehen ist, studiert Gerd Bannuscher am sozusagen lebenden Objekt. Er besucht die Tiere in Zoos, beobachtet sie, blickt ihnen in die Augen, studiert ihr Verhalten und fängt sie mit der Kamera ein.

Zurück in seinem Atelier lässt er die Fotografien weiter auf sich wirken – er grundiert seinen Maluntergrund sorgfältig, um eine feine Oberfläche zu erzielen und beginnt mit der Vorzeichnung – in groben, schnellen, und doch präzisen Strichen setzt er die Skizze mit dem Pinsel an. Hauchdünn und Schicht für Schicht lässt er von Dunkel auf Hell von Hintergrund zu Vordergrund seine Werke entstehen. Mit seiner unverkennbaren, präzisen Linienführung modelliert er jedes Haar, jede Falte, jede Blase in der Gischt des Meeres. Man kann es förmlich riechen – das Meer. Das Rauschen hallt in unserer Erinnerung wider, die salzige Luft weht uns um die Nase, wir stehen an jenem Platz am Meer, an dem der Künstler seine Gedanken hat schweifen lassen. An der er mit seiner Frau die sanften Sonnenstrahlen ausgekostet hat. Gerd Bannuschers Werke sind Ruheoasen in einer hektischen Zeit.

 

See 1 I 110 x 160 cm I Acryl auf Holz

 

Diese fotorealistische Malweise erlernte er, nach seiner Ausbildung zum Fotograf, autodidaktisch – auf den Akademien suchte man eine diesbzgl. Anleitung zu dieser Zeit vergeblich. Viele Jahre studierte er das Material, feilte an seiner Technik; die er sich zum Teil, man möchte es kaum vermuten, auch von Künstlern des Abstrakten Genres entlehnte.

 

Mit seinen überlebensgroßen Formaten lässt Gerd Bannuscher uns ganz nah an das Objekt herantreten.

 

Majestätisch blickt der Löwe – der in Zulu Ibhubesi heißt, daher der Titel – aus dem Bild. Schon von weitem beobachtet er uns – blickt uns in die Augen. In freier Wildbahn würde uns dieser Blick erschaudern lassen und vermutlich einen Fluchtreflex auslösen. Hier – Magisch angezogen kommt man näher und steht schließlich vor dem Gemälde, staunend, ob seiner unglaublich feinen Ausführung. Man möchte dem Löwen über das Fell streichen, ihn anfassen – begreifen.

 

Unweigerlich entsteht eine respektvolle Begegnung, eine Verbindung zwischen diesem kraftvollen, wilden Tier und uns Betrachtern.

 

Ibhubesi 2 I 140 x 180 cm I Acryl auf Leinwand

 

Mit diesem Qualitätsanspruch und seiner geistigen Schönheit ist es somit auch kaum verwunderlich, dass Gerd Bannuscher über den ganzen Erdball verstreut begeisterte Sammler, darunter auch den Sultan von Oman, zu seinen Kunden zählt.

 

Ich fühle mich geehrt, diesen außergewöhnlichen Künstler kennen, schätzen und als Galeristin vertreten zu dürfen.

 

Vielen Dank für diese wunderbare Show, lieber Gerd!

 

Ihnen, sehr geehrte Gäste, wünsche ich nun einen schönen Abend und eine wunderbare Reise in die Natur inmitten der Großstadt.

 

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